Damit kam dann gleich die nächste Herausforderung: die Auseinandersetzung mit dieser vielschichtig interpretier ten Figur Maria war gar nicht so einfach. Wir haben schnell gemerkt, dass dieses „auf dem Weg sein“ uns auch wörtlich hilft, wenn wir zumindest einmal jedes Jahr mit der „Maiandachts-Gemeinde“ einen Bittgang machen.

Das Annähern an Maria ist nun bereits seit einigen Jahren ein andauernder Prozess, vergleichbar mit einer sich langsam öffnenden Rose: Schicht um Schicht ist jeder aufblühende Blütenkreis eine neue Rolle, die Maria zu geschrieben wird. Oft fällt uns die Identifikation mit die 4 sen zugeschriebenen Attributionen auf den ersten Blick schwer. Aber dann passiert es plötzlich, dass wir genau in diesem Moment für uns eine Kraft benötigen, die wir dann im Gebet zu dieser Rolle aufgehoben finden: Maria, die uns Schutz bringt vor unseren alltäglichen Ängsten. Maria, die mit ungeheurem Mut sich etwas öffnet, das sie sicher nicht versteht und das sie trotzdem geradezu beflügelt. Maria, die Mutter, begleitet ihren Sohn durch alle Höhen und Tiefen. Da, wo sie etwas nicht versteht, heißt es, dass sie es „in ihrem Herzen bewahrt“. Maria, die sich einlässt, zu Elisabeth reist und eine Freundschaft lebt.


Wir haben gelernt, dass wir mit Maria diese Verbindung zu Gott im Alltag bewusst wahrnehmen können und dass wir jubeln dürfen über die göttliche Kraft – gerade im „Wonne monat Mai“.
Darum machen wir uns auch heuer wieder auf den Weg und möchten die Schritte zu Maria hin gleich zwei Mal wörtlich nehmen.
Am 6. Mai gehen wir mit unserer „Schwester des Glaubens“ von der Kapelle St. Ulrich zur Kapelle Berg. Am 20. Mai widmen wir uns der Rolle von Maria als Freundin des Lebens und am 27. Mai legen wir den Weg von der Kapelle Oberer Berg zur Kapelle Berg zurück und wagen ei nen neuen Blick, ein weiteres Blütenblatt der Rose: Maria, Prophetin.
Wir freuen uns, dass so viele Menschen die Maiandachten mittragen und mit uns gestalten. Sowohl beim Rosenkranz-Beten als auch beim Anstimmen und Singen der Lieder, sowie beim Mitbringen eigener Bitten ist es schön zu sehen, wie im Berg eine Gemeinschaft über Generationengrenzen hinweg aufblüht.
Anja Kocevar und Frederike Rüdisser
